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Leipziger Volkszeitung, 29. August 2005

Amt untersagt Start für Sudbury-Schule

Aus der Traum: Das Regionalschulamt Leipzig verweigert dem Verein Sudbury-Schule Halle-Leipzig die Genehmigung. Der aber will für seine Vision kämpfen, damit das in anderen Ländern erprobte alternative Schulmodell doch noch in Leipzig Fuß fasst.

Sein Domizil in Thekla hat die Stadt Leipzig dem im Juni 2004 gegründeten Verein Sudbury-Schule Halle-Leipzig ohne Probleme vermietet. Vor dem Haus, einer ehemaligen Schule in der Cleudner Straße 2, stehen am Sonnabend Vereinvorsitzender Uwe Hartung, Sören Kirchner, Felix Rauschmayer und weitere Mitstreiter mit langen Gesichtern. Ihr Traum von einer Schule, bei der die Kinder frei entscheiden können, was sie lernen wollen, ist geplatzt. Das Regionalschulamt Leipzig hat die für heute geplante Eröffnung und den Betrieb der Sudbury-Bildungsstätte am 23. August 2005 untersagt, da diese nicht den gesetzlichen Vorschriften einer Schule genüge. "Dabei ist das Modell schon seit 37Jahren weltweit erfolgreich", sagt Hartung.

Vorbild ist die 1968 nahe der Stadt Framingham im US-Bundesstaat Massachusetts gegründete Sudbury Valley School. Die Idee: Jeder Schüler trägt persönlich die Verantwortung für sein Handeln und dessen Folgen. Um erfolgreich zu sein, sei persönliche Freiheit nötig. "Wir haben erlebt, wie die staatliche Schule mit Druck und Hausaufgaben in unser Privatleben hineinregiert. Diese fordert Eltern auf, sich mit ihr gegen die eigenen Kinder zu verbünden", so Hartung. Die Sudbury-Schule habe sich hingegen Freiheit, Verantwortung, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als oberste Prinzipien auf die Fahnen geschrieben. Das Lehrprinzip rücke Lernen in den Mittelpunkt, nicht den klassischen Unterricht. Lehrer gibt es demzufolge nicht, den Kindern und Jugendlichen stehen Mitarbeiter zur Seite, die sie bei Bedarf fragen können. Lesen und Schreiben bringen sich die Sudbury-Schüler selbst bei, was laut Rauschmayer durch die Altersmischung gefördert wird. Aufgenommen werden Kinder zwischen drei und 18 Jahren. Geleitet wird die Einrichtung vom Trägerverein sowie von einer Schulversammlung, die auch die Regeln festlegen oder verändern kann.

Laut Verein, dem Wissenschaftler, Unternehmer und Lehrer angehören, gab es zunächst 40 Anmeldungen. Da sich rechtliche Probleme mit den Behörden andeuteten, sind es zurzeit noch 28 interessierte Schüler. Das Regionalschulamt hatte dem Trägerverein nämlich schon im April 2005 mitgeteilt, dass es die "Erfüllung der Schulpflicht an der geplanten Schule" nicht für möglich hält. Mit einem Fax untersagte die Behörde dann vergangene Woche die Aufnahme des Betriebes ab dem heutigen Montag. "Leipzig hat eine gute Landschaft an freien Trägern, die wir auch fördern", sagte gestern Roman Schulz, Sprecher des Regionalschulamtes, auf LVZ-Anfrage: "Trotzdem muss eine Schule gewisse vergleichbare Konditionen mit dem öffentlichen Träger bieten. Dies erfüllt das Sudbury-Konzept nicht. Es gibt nicht einmal einen Lehrplan."

Einige Familien haben inzwischen ein Bildungsnetzwerk gegründet, wollen auf privater Basis lehren. Was heißt: Sie schicken ihre Sprösslinge nicht wieder an die bisherigen Bildungsstätten. "Ob das ein Verstoß gegen die Schulpflicht wird, wird sich zeigen. Wir hoffen auf die Vernunft der Eltern, wollen nicht, dass die Situation eskaliert", so Schulz. Der Trägerverein erwägt, gegen die Ablehnung juristisch vorzugehen.


Mathias Orbeck

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Ronny Lier
ronny.lier@sudbury-hl.de

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