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EUDEC 2008

Erziehung und Wissenschaft (GEW-Bundeszeitschrift), 15. November 2005

Schule ohne Schulpflicht

35 Kinder in Sachsen machen seit dem 27. August 2005 alles anders: Sie entscheiden selbst, ob sie zur Schule gehen und was und wie sie lernen möchten. Unterricht erteilen Lehrer und Pädagogen – sie heißen hier Mitarbeiter – nur, wenn sie ausdrücklich wollen. Klassen gibt es keine. Die 35 Schüler organisieren ihren Schulalltag nach Regeln, die sie selber aufstellen – in einer Schulversammlung, in der die Stimme eines Mitarbeiters so viel Wert ist wie die eines Kindes. Die Drei- bis 17-Jährigen sind die ersten Schüler der Sudbury-Schule in Leipzig. Sudbury-Schulen, deren „Mutterschule“ im US-amerikanischen Massachusetts steht, sind der weltweit häufigste Typ eines Modells, das sich selbst „demokratische Schule“ nennt. Wer sich für eine solche entscheidet, ist meist davon überzeugt, dass Kinder nur selbstbestimmt gut lernen können und dass Schulpflicht undemokratisch ist. Leicht haben es „demokratische Schulen“ nirgends. In Deutschland haben sie es allerdings wegen der im internationalen Vergleich strengen „Schulpflicht“ besonders schwer. Nach der Sudbury-Schule in Überlingen (die sich nicht „Schule“ nennt) ist die Leipziger die zweite in Deutschland. Keine der beiden hat eine Genehmigung. Und, noch entscheidender: Keinem der Anträge auf Befreiung von der der Anträge auf Befreiung von der Schulpflicht, die alle Eltern gestellt haben, wurde stattgegeben. Das heißt erstens, die Kinder können theoretisch von der Polizei auf eine staatliche Schule gebracht werden, zweitens kann der etwaige Wechsel auf eine normale Schule mit Schwierigkeiten verbunden sein. Doch die Schulgründer setzen darauf, dass Regelschulen ihre Schüler übernehmen werden. Staatliche Abschlüsse sollen sie in einer externen Prüfung erwerben können. In Großbritannien, wo mit der Summerhill-Schule die Wiege der „demokratischen“ und „freien“ Schulen steht, ist dieser Weg seit langem Praxis. Wer das britische Pendant zum Realschulabschluss macht, absolviert wie alle anderen Briten die Prüfungen für das staatliche „General Certificate of Secondary Education“ (GCSE). Wer zum A-Level – dem Abitur – weiter möchte, wechselt die Schule. Laut einer Untersuchung aus den 90ern machen drei von vier Summerhill-Schülern einen Abschluss; jeder zweite er- wirbt die Hochschulreife. Gegründet wurde Summerhill 1923 von dem Anglisten und Hilfslehrer A.S.Neill, der eine Schule ohne Zwang und Strafe errichten wollte. Auch wenn er selbst das Summerhill-Modell nie als allgemein gültiges theoretisches Konzept verstanden hatte, machte Neills Buch „Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung“ (im Original: „Beispiel Summerhill“) auch in Deutschland Furore – und führte zu Gründungen von so genannten „Freien Schulen“. Heute werden in Summerhill 83 Schüler unterrichtet. Fünf- bis Neun- und Zehn- bis Zwölfjährige werden in Gruppen zusammengefasst, denen gemeinsamer Unterricht angeboten wird. Die Älteren wählen Kurse. Auch wenn die „Summerhillianer“ den Vorwurf der Mittelschichtstätte weit von sich weisen, gilt: Man muss sich diese Freiheit leisten können. Das Schulgeld für das Internat beträgt etwa 13000 Euro im Jahr und wird nur in Ausnahmefällen erlassen. Die Sands School im südenglischen Devon ist günstiger und die zweite „demokratische Schule“ in Großbritannien. Weltweit gibt es zirka 70. Jeannette Goddar

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Ronny Lier
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