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Leipziger Volkszeitung, 18. Oktober 2005

Sudbury-Verein kämpft für sein Schulmodell

Der Verein Sudbury-Schule Halle-Leipzig kämpft weiter für sein Modell. Das Regionalschulamt Leipzig hat der Einrichtung ohne Lehrer zwar die Erlaubnis versagt, einige Familien betreiben dennoch so genannte Zentren, in denen Kinder und Jugendliche ab drei Jahren nach den Sudbury-Prinzipien lernen. Gegen das Verbot haben sie Widerspruch eingelegt.

Bei einem Sudbury-Bundestreffen tauschten sich am vergangenen Wochenende in Leipzig Initiativen aus verschiedenen deutschen Städten über ihre Erfahrungen aus, darunter auch mit den Behörden. Letztere haben in Überlingen (Baden-Württemberg) das dortige Projekt gestoppt. Das könnte der hiesigen Initiative auch passieren, die mittlerweile private Lernzentren in Leipzig betreibt.

"Wir haben uns nie versteckt, uns um die Bildung unserer Kinder gekümmert. Deshalb wird es für die Behörden nicht einfach sein, unsere Ideen so einfach abzubügeln", sagt der Diplomlehrer und Soziologe Uwe Hartung, der dem Leipziger Sudbury-Verein vorsteht. Wie berichtet, hat das Regionalschulamt den für Ende August in Thekla geplanten Start der Bildungsstätte verboten, weil diese nicht den gesetzlichen Vorschriften genüge. Die Sudbury-Schule, die nach einem seit 1968 in Amerika erprobten Modell arbeitet, kommt ohne Lehrer und Lehrplan aus. Lediglich Begleiter stehen den Schülern zur Seite, die persönlich die Verantwortung für ihr Handeln und dessen Folgen tragen. Was heißt, sie entscheiden selbst, womit sie sich beschäftigen wollen. Dadurch hat jedes Kind seinen eigenen Tagesablauf, muss sich aber an vorher gemeinsam festgelegte Regeln halten.

Nach dem Verbot, gegen das der Verein Widerspruch eingelegt hat, sind viele der 40 angemeldeten Schüler in ihre herkömmliche Schule zurückgekehrt. Einige Familien gründeten jedoch ein privates Familiennetzwerk, das nach Angaben des Vereins derzeit 22 Kinder und Jugendliche betreut. Darunter auch Dreijährige. Die Eltern haben bei der Behörde Anträge zwecks Befreiung ihrer Sprösslinge von der Schulpflicht eingereicht, nehmen die Ausbildung derweil selbst in die Hand. An 13 so genannten peripheren Lernorten, darunter in Räumen der ehemaligen Tangofabrik. An den Lernorten steht beispielsweise ein Klavier oder Literatur zu bestimmten Themen. "Zwei neunjährige Jungs wollten einen Motor erfinden, der ohne Treibstoff auskommt. Sie sind zu mir gekommen, um sich die physikalischen und chemischen Zusammenhänge eines Otto-Motors erklären zu lassen", nennt Hartung, der selbst als Begleiter tätig ist, ein Beispiel.

Maria (14) und Almuth (16) vermissen ihre alte Schule nicht. "Am Anfang wusste ich nicht, was ich machen sollte, weil der Druck weg war und niemand mehr mit Unterrichtsstoff berieselt wird", erzählt die 14-Jährige. "Dann habe ich zunächst tanzen und Einrad fahren geübt." Gearbeitet werde aber auch an inhaltlichen Themen. Wer beispielsweise einen Computer beherrschen will, setzt sich ans Telefon und organisiert sich selbst einen Termin an einem der Lernorte. "Das fördert das Unternehmertum, ist fürs Leben wichtig", so Hartung.

Die Schulbehörde, die über den Widerspruch noch nicht entschieden hat, beobachtet das Treiben argwöhnisch, da etliche Familien gegen die gesetzlich vorgeschriebene Schulpflicht verstoßen. "Die jeweiligen Direktoren haben Verfahren gegen Schüler, die in öffentlichen oder freien Schulen nicht angekommen sind, eingeleitet. Das Ordnungsamt ist eingeschaltet", sagt Roman Schulz, Sprecher des Regionalschulamtes. Der Verein, der mehrere Rechtsanwälte beschäftigt, nimmt's gelassen. Er kämpft darum, seinen Traum von einer Schule durchzusetzen, in der Kinder frei entscheiden können, was sie lernen wollen oder eben nicht.

Mathias Orbeck

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Ronny Lier
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